Problembär

Das Bundesfamilienministerium hat einen Bären als Mitarbeiter. Er bezeichnet sich als „Expertenteddy“ und hört auf den Namen Herr Bärt (aua). Er besitzt seine eigene Facebookseite und schreibt mitunter sogar im Forum auf eltern.de. Dort erteilt er schlaue Ratschläge zu Themen wie Elterngeld und Mutterschutz, aber auch zum Sauberwerden und zu Schlafproblemen. Laut seiner Facebook-Info ist er „immer dicht am Geschehen und kennt Freude, Probleme und Herausforderungen des Familienlebens aus erster Hand“ und berichtet „exklusiv … aus seinem Alltag“.

All zu viel gibt es noch nicht zu erfahren von ihm, aber Herr Bärt scheint alleinerziehend zu sein. Seine bisher einzige Statusmeldung auf Facebook lautet: „Manchmal will, aber kann ein Elternteil keinen oder nicht genug Unterhalt für das gemeinsame Kind zahlen. Wenn es soweit kommt, könnt ihr einen Vorschuss beim Jugendamt beantragen!
Vielleicht teilt er uns ja demnächst mit, ob das Jugendamt den Vorschuss bewilligt hat.
Wir dürfen gespannt sein.

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Mobil

„Ich bin jetzt auch mobil“ sagte eine Freundin heute zu mir. Und ich dachte für einen Moment: „Was? Dich gibts jetzt als App, oder wie?“ Weit gefehlt – sie hat jetzt ein Fahrrad.

Oh modern times.

Reisen mit Kindern

Da sehe ich doch heute bei Facebook ein Werbeplakat der Deutschen Bahn, das für ein Familien-Sparticket mit dem Slogan: „Hier dürfen Kinder alles. Außer zahlen.“ wirbt. Der Kommentar meiner Facebook-Freundin dazu lautet: „Ein Grund mehr, nicht mit der Bahn zu fahren!!“ Es bekommt innerhalb kurzer Zeit 12 Likes und Affirmationen wie „Schrecklich, diese Bälger“. Ich stelle dazu fest:

Im Anschluss hagelt es Rechtfertigungen, Erklärungen und vor allem Beispiele, warum Kinder in der Bahn schrecklich sind und was sie nicht alles machen. Eine kleine Auswahl gefällig? Bitteschön: Kinder zünden dem Hund den Schwanz an. Kinder treten fünf Stunden am Stück gegen den Sitz. Kinder brüllen im vollen Großraumabteil schrill herum. Verbesserungsvorschläge kommen natürlich auch, die Diskussion ist ja wie zu erwarten sehr konstruktiv: Kinder sollen die Füße still halten, wenn andere Leute ihre Ruhe wollen. Die Bahn ist kein Spielplatz. Wieso gibt es kein Baldrian in Smarties-Form? Der Hund schafft es auch, still zu sein. Und der bezahlt 50 Euro und finanziert damit den Kindern anderer Leute ihre Zugfahrt!

Ernsthaft? Meint ihr das wirklich ernst, junge Menschen zwischen 20 und 30, die ihr mehrheitlich studiert (habt), Erzieher seid, euch bestimmt klammheimlich dem Humanismus verschrieben habt? Meint ihr wirklich immer noch, das sei eigentlich gar nicht kinderfeindlich? Eine leichte und weit verbreitete Übung bei so etwas ist es ja, ein bestimmtes Wort durch ein anderes zu ersetzen. Also jetzt mal statt Kind „Mitbürger ausländischer Herkunft“, der Kürze halber „Ausländer“:

„Ausländern sollte auch ein respektvoller Umgang mit Fremden beigebracht werden, dazu gehoert die Fuesse still zu halten wenn andere Leute ihre Ruhe wollen. An Orten mit erzwungener Naehe finde ich Ruecksichtnahme wichtiger als laissez-faire, falls es das ist was du mit respektvollem Umgang gegenueber Ausländern meinst…“

„und wenn mann dann noch 5 stunden einen Ausländer  hinter sich sitzen hat der unentwegt gegen den sitz trit ist es mit der geduld auch irgendwann vorbei, wenn man immer wieder darum bittet dass der Ausländer aufhört. und wenn ich dann noch bedenke dass …ich pro fahrt für meinen hund, der noch nichtmal nen sitzplatz einnimmt und die farht über keinen ton von sich gibt 50 € zahlen muss und damit die fahrkarten für andere Ausländer bezahle finde ich dass auch nicht so doll…“

„also Ausländer an für sich nerven mich nicht, und auf unserem Spielplatz dürfen die auch rumrennen und kreischen wie sie wollen, aber genauso müssen Ausländer gebremmst werden. Große Ausländergruppen auf reise sind immer schwierig, das hat dan auch selten mit dem einzelnen Ausländer zu tun….die sind einfach angespannt/aufgedreht….da würdest selbst du nicht ruhiger werden…“

Voll okay, oder? Da würde man sich nicht vielleicht ein kleines Bisschen fragen, ob da, hmm, eine gewisse Fremdenfeindlichkeit mit im Spiel ist?

Liest man Zeitung, denkt man ja immer, ganz Deutschland würde sich nur den Kopf zerbrechen, wie man Familien mit Eltern-, Betreuungs- und Kindergeld unterstützen kann, wie man das Leben mit und für Kinder angenehm gestalten kann, wie letztlich – das Thema ist ja nicht vom Tisch – die Geburtenrate gesteigert werden kann. All diese Überlegungen finden ja auch wirklich statt, zumindest in der Politik und in einigen Teilen der Gesellschaft. Sie finden aber statt in einer durch und durch kinderfeindlichen Gesellschaft, einer Gesellschaft, in der schon 20jährige sich nicht mehr mit dem Kind, das sie bis vor wenigen Jahren noch waren, identifizieren mögen. In der elterliche Kontrolle, Grenzensetzung, Disziplinierung und wahrscheinlich nicht zuletzt Bestrafung gefordert werden. Und das wird dann Erziehung genannt. Und alles, was dem nichr entspricht, heißt laissez-faire. Meine Güte, wozu denn noch Pädagogik, wenn die jungen Akademiker-to-be von heute es so genau wissen, wo die Position des Kindes in der Gesellschaft zu sein hat. Unten, ganz unten in der Hierarchie.

Ich fahre übrigens morgen mit meinen beiden Kindern acht Stunden mit der Bahn. Und muss jetzt noch dringend ein Feuerzeug suchen. Könnte ja sein, dass ein Hund mitfährt.